Es war ein Freitagmorgen im März, als ich in der Paphos Altstadt in einer winzigen Taverne saß – nicht größer als ein Wohnzimmer – und einem älteren Kyproten zuschaute, wie er sein Frühstück in Stille genoss. Kein Selfie-Stick, kein Touristenmenü, kein Englisch. Genau das ist der Unterschied zwischen den beiden Paphos: Hier oben, in Pano Paphos, atmet die Stadt noch wie vor dreißig Jahren. Unten am Hafen, in Kato Paphos, pulsiert das moderne Zypern mit Restaurants, Bars und Souvenirshops. Beide sind wunderbar. Beide sind völlig verschieden. Und die meisten Besucher sehen nur eines davon.
Warum Paphos sich in zwei Teile spaltet – und warum das wichtig ist
Paphos ist nicht einfach eine Stadt. Es ist eine geografische und kulturelle Spaltung, die man verstehen muss, um die richtige Entscheidung zu treffen. Die Altstadt – offiziell Pano Paphos oder Ktima genannt – liegt auf einem Hügel etwa 1,5 Kilometer von der Küste entfernt. Hier siedelten sich die Zyprioten an, weil das Landesinnere sicherer war als die Küste, die ständig von Piraten heimgesucht wurde. Erst im 20. Jahrhundert wuchs Kato Paphos am Hafen, zunächst als Fischerhafen, später als Touristenziel.
Die Folge: Zwei völlig verschiedene Atmosphären. Pano Paphos ist das Zypern der Einheimischen – Verwaltungsgebäude, der große Wochenmarkt, Museen, enge Gassen. Kato Paphos ist das Zypern der Besucher – Hotels, Restaurants, das Hafenviertel mit seinen archäologischen Stätten. Wer nur eine Woche Zeit hat, muss wählen. Wer richtig Zeit hat, entdeckt, dass beide zusammen erst das echte Paphos ergeben.
Pano Paphos (Ktima): Die echte Altstadt
Der Wochenmarkt – Freitags und Samstags
Das Herz der Altstadt ist der Wochenmarkt (Agora), der sich jeden Freitag und Samstag von etwa 8:00 bis 14:00 Uhr rund um die Leoforos Griva Digeni erstreckt. Das ist nicht die sterile Markthalle, die Sie aus touristischen Broschüren kennen – das ist das echte Ding. Hier kaufen Kyproten ihre Tomaten, Oliven, Käse und Fisch. Die Preise sind deutlich günstiger als in den Restaurants von Kato Paphos: Zwei Kilogramm Orangen kosten etwa 1,50 Euro, frischer Ziegenkäse 8-10 Euro pro Kilogramm.
Der Trick ist, früh zu kommen – vor 10:00 Uhr. Dann sind die Stände noch vollständig, die Verkäufer haben Zeit für ein Gespräch, und Sie können Kostproben bekommen. Ein älterer Mann namens Giorgos verkauft seit 35 Jahren Oliven von seinem eigenen Grundstück – er wird Ihnen gerne erklären, warum die Koroneiki-Oliven die besten sind. Nehmen Sie mindestens zwei Kilogramm Kirschen mit – sie sind im Frühjahr unglaublich süß und kosten etwa 2,50 Euro pro Kilo.
Das Byzantinische Museum und die Kirchen
Wenn Sie sich für Geschichte interessieren, ist das Byzantinische Museum in der Leoforos Griva Digeni ein absolutes Muss. Es ist klein, aber außergewöhnlich. Die Sammlung von Ikonen und religiösen Objekten aus dem 12. bis 18. Jahrhundert ist eine der besten auf Zypern. Der Eintritt kostet etwa 2,50 Euro – deutlich weniger als die meisten touristischen Attraktionen. Öffnungszeiten sind Dienstag bis Samstag von 9:00 bis 16:00 Uhr.
Gleich in der Nähe befindet sich die Kirche Agia Paraskevi, eine wunderbare byzantinische Kirche mit einem ruhigen Innenhof. Im Gegensatz zu den überlaufenen archäologischen Stätten in Kato Paphos treffen Sie hier vielleicht eine Handvoll andere Besucher. Die Kirche ist täglich von 8:00 bis 17:00 Uhr offen und kostenlos.
Die Gassen und das echte Leben
Der beste Weg, Pano Paphos zu entdecken, ist zu Fuß durch die engen Gassen zu spazieren. Beginnen Sie bei der Plateia Vasileos Vasileiou (dem Hauptplatz mit der Statue des Königs) und verlaufen Sie sich bewusst. Gehen Sie die Seitengassen hinunter. Sie werden kleine Läden finden – einen Friseur, der seit 1978 dort sitzt, eine Schneiderei, ein Kaffee, in dem nur Männer über 60 sitzen.
Dies ist das Paphos, das nicht in Reiseführern steht. Um 15:00 Uhr wird es ruhig – das ist die Siesta. Um 19:00 Uhr erwacht die Stadt wieder. Wenn Sie um diese Zeit spazieren gehen, sehen Sie Großmütter, die vor ihren Häusern sitzen, Kinder, die spielen, Menschen, die sich unterhalten. Das ist nicht inszeniert. Das ist normal.
Kato Paphos: Das Hafenviertel und die Geschichte
Die archäologischen Stätten
Kato Paphos ist für die meisten Besucher das Paphos. Hier liegen die großen archäologischen Stätten: die Gräber der Könige (Tombs of the Kings), das Odeion (ein römisches Amphitheater) und die Mosaiken von Nea Paphos. Diese sind UNESCO-Welterbestätten und für gute Gründe berühmt.
Das Odeion ist wahrscheinlich das beste Verhältnis von Aufwand zu Belohnung. Es liegt direkt am Hafen, der Eintritt kostet etwa 2,50 Euro, und Sie können die Überreste eines römischen Theaters aus dem 2. Jahrhundert sehen, das noch heute für Konzerte genutzt wird. Die Aussicht auf den Hafen von oben ist wunderbar.
Die Tombs of the Kings sind beeindruckend, aber touristisch überlaufen. Der Eintritt kostet etwa 4,50 Euro. Gehen Sie früh morgens hin – vor 9:00 Uhr – oder am späten Nachmittag nach 17:00 Uhr, um die Menschenmassen zu vermeiden. Die Gräber stammen aus dem 4. Jahrhundert v. Chr. und sind in den Felsen gehauen. Sie können hineinspazieren und die Architektur sehen, auch wenn die Gräber längst geleert wurden.
Das Hafenviertel und die Restaurants
Das Hafenviertel von Kato Paphos ist das touristische Herz. Hier gibt es Restaurants, Bars, Souvenirläden und Hotels. Es ist nicht authentisch, aber es ist lebendig. Die Restaurants rund um den Hafen sind teuer – ein Fischmenü kostet etwa 18-25 Euro – aber die Qualität ist unterschiedlich. Die besten sind nicht die mit den größten Schildern.
Ein Geheimtipp: Gehen Sie nicht zu den Restaurants direkt am Hafen. Gehen Sie eine Straße weiter nach Osten, in die Gassen hinter der Hauptstraße. Hier finden Sie kleinere Tavernen mit besserer Qualität und besseren Preisen. Eine Portion Souvlaki (gegrilltes Fleisch auf Spieß) kostet etwa 6-8 Euro und ist deutlich besser als in den touristischen Restaurants.
Der Strand und die Bucht
Der Strand von Kato Paphos ist nicht der beste auf Zypern – der Sand ist dunkel und steinig. Aber die Bucht ist wunderschön, besonders bei Sonnenuntergang. Um 18:30 Uhr, wenn die meisten Touristen zum Abendessen gehen, haben Sie den Strand fast für sich allein. Bringen Sie ein Buch mit und sitzen Sie einfach da.
Der perfekte Tag in beiden Paphos
Wenn Sie nur einen Tag haben, hier ist der Plan:
- 7:00-9:00 Uhr: Früh aufstehen und zum Wochenmarkt in Pano Paphos gehen. Kaufen Sie Obst und Käse, trinken Sie einen Kaffee bei einem lokalen Café.
- 9:00-11:00 Uhr: Spazieren Sie durch die Gassen der Altstadt. Besuchen Sie die Kirche Agia Paraskevi.
- 11:00-12:30 Uhr: Das Byzantinische Museum. Mittagessen in einer kleinen Taverne.
- 13:00-15:00 Uhr: Fahren Sie nach Kato Paphos (etwa 15 Minuten mit dem Auto oder 20 Minuten mit dem Bus). Besuchen Sie das Odeion.
- 15:00-17:00 Uhr: Entspannen Sie sich am Strand oder spazieren Sie durch das Hafenviertel.
- 17:00-19:00 Uhr: Besuchen Sie die Tombs of the Kings (weniger überlaufen zu dieser Zeit).
- 19:00+ Uhr: Abendessen in einer Taverne hinter der Hauptstraße. Beobachten Sie den Sonnenuntergang über dem Hafen.
Praktische Informationen
Verkehr zwischen den beiden Paphos
Die beiden Stadtteile sind etwa 1,5 Kilometer voneinander entfernt. Sie können mit dem Auto fahren (etwa 5-10 Minuten, je nach Verkehr), mit dem Bus fahren (Linien 1, 2 oder 3, etwa 20 Minuten, Kosten etwa 1,50 Euro) oder zu Fuß gehen (etwa 20-25 Minuten bergab nach Kato Paphos, etwa 30 Minuten bergauf zurück).
Der Bus ist die beste Option, wenn Sie nicht mit dem Auto fahren möchten. Die Bushaltestelle in Pano Paphos ist in der Nähe des Hauptplatzes. Die Busse fahren etwa alle 20 Minuten.
Wo man übernachtet
Die meisten Touristen übernachten in Kato Paphos, weil dort mehr Hotels sind. Aber wenn Sie authentischer übernachten möchten, gibt es auch Hotels und Apartments in Pano Paphos. Sie zahlen etwa 20-30 Prozent weniger und haben Zugang zum echten Leben der Stadt. Das Nachteil ist, dass Sie abends weniger Restaurants und Nachtleben haben.
| Aspekt | Pano Paphos (Altstadt) | Kato Paphos (Hafen) |
|---|---|---|
| Atmosphäre | Authentisch, lokal, ruhig | Touristisch, lebendig, laut |
| Museen & Kultur | Byzantinisches Museum, Kirchen | Archäologische Stätten, UNESCO-Welterbe |
| Restaurants | Günstig, lokal, weniger Auswahl | Teuer, touristisch, große Auswahl |
| Strand | Nicht vorhanden | Vorhanden, aber nicht der beste |
| Beste Zeit zum Besuchen | Freitag & Samstag (Markt) | Früh morgens oder späten Nachmittag |
| Übernachtungskosten | 40-60 Euro/Nacht | 60-120 Euro/Nacht |
Was die meisten Touristen verpassen
Nach 20 Jahren Besuche in Paphos habe ich bemerkt, dass die meisten Touristen in eine von drei Kategorien fallen: Die, die nur die archäologischen Stätten sehen und sofort weiterfahren. Die, die nur im Hafenviertel essen und trinken. Und die seltenen, die verstehen, dass Paphos zwei verschiedene Dinge sind.
Das, was die meisten verpassen, ist das echte Leben. Es ist nicht in den Museen. Es ist nicht am Strand. Es ist in den kleinen Cafés der Altstadt, wo alte Männer Backgammon spielen. Es ist auf dem Markt, wenn die Verkäufer ihre Waren anpreisen. Es ist in den Gassen, wenn Sie sich bewusst verirren.
"Paphos ist nicht eine Stadt. Paphos ist zwei Städte. Und wer nur eine sieht, hat die andere völlig verstanden."
Das Byzantinische Museum ist fast leer, während die Tombs of the Kings überlaufen sind. Der Wochenmarkt ist voller Leben und Farbe, während die touristischen Restaurants seelenlos sind. Wenn Sie Zeit haben – und Sie sollten sich Zeit nehmen – erleben Sie beide Paphos. Sie werden verstehen, dass die beste Reise nicht aus Häkchen auf einer Checkliste besteht, sondern aus Momenten, die Sie nicht geplant haben.
Die beste Jahreszeit für beide Stadtteile
Paphos ist das ganze Jahr über besuchbar, aber es gibt Unterschiede. Im Sommer (Juni bis August) ist Kato Paphos überfüllt mit Touristen, während Pano Paphos angenehm kühl ist. Im Winter ist Pano Paphos lebendiger – mehr Einheimische sind unterwegs – während Kato Paphos ruhiger ist.
Die beste Zeit ist April bis Mai oder September bis Oktober. Das Wetter ist warm, aber nicht zu heiß. Die Touristen sind weniger zahlreich, aber nicht völlig absent. Der Markt in Pano Paphos ist voll mit frischen Produkten. Und die Restaurants sind noch offen.
Wenn Sie im Sommer kommen, gehen Sie früh morgens hin – vor 9:00 Uhr – zu den archäologischen Stätten. Wenn Sie im Winter kommen, genießen Sie die Ruhe und das echte Leben der Stadt. Es gibt keine schlechte Zeit, um Paphos zu besuchen. Es gibt nur unterschiedliche Erfahrungen.
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