An einem Freitagmorgen um halb acht sitze ich auf einem wackligen Plastikstuhl vor der Bäckerei Lefkarita in der Odos Ionos, einen Espresso vor mir, der so stark ist, dass er sich anfühlt wie eine persönliche Beleidigung – im besten Sinne. Neben mir liest ein älterer Herr die Zeitung, während er sein süßes Gebäck in den Kaffee tunkt. Ein anderer Gast kommt herein, begrüßt den Bäcker mit Namen und bekommt ohne zu fragen sein übliches Frühstück: ein Koulouri und einen Kaffee. Das ist Paphos, wie es die Einheimischen kennen. Nicht die klimatisierte Lobby des Fünf-Sterne-Hotels, sondern die Realität einer zypriotischen Kleinstadt, wo Frühstück ein soziales Ritual ist.
Wer denkt, dass gutes Frühstück in Paphos nur im Hotel zu finden ist, hat die Stadt noch nicht wirklich kennengelernt. Die beste Mahlzeit des Tages passiert hier nicht in den touristischen Zentren von Kato Paphos, sondern in den engen Gassen der Altstadt, in Bäckereien, deren Namen kaum jemand aussprechen kann, und in Kafenia, wo der Kaffee seit 1987 nach demselben Rezept zubereitet wird. Ich bin seit über zwei Jahrzehnten regelmäßig in Paphos, und ich kann versichern: Die Einheimischen wissen, wo es wirklich gut ist.
Das Herz der Sache: Zypriotische Bäckereien und ihre rituellen Qualitäten
Eine zypriotische Bäckerei am frühen Morgen ist ein Ort der Andacht. Die Öfen laufen seit fünf Uhr morgens, und um sieben sind die Regale gefüllt mit noch warmen Brötchen, Croissants und traditionellen Teigwaren. In Paphos gibt es mindestens ein Dutzend solcher Bäckereien, die täglich frische Ware produzieren – ohne Konservierungsstoffe, ohne industrielle Tricks, nur Mehl, Wasser, Hefe und Zeit.
Lefkarita in der Odos Ionos (östlich der Altstadt, etwa hundert Meter vom Platz Agios Theodoros entfernt) ist eine dieser Institutionen. Der Besitzer, Stefanos, führt die Bäckerei seit 1994. Die Koulouria hier – die typischen zypriotischen Sesambrötchen – sind knusprig außen, elastisch innen, und kosten 0,85 Euro das Stück. Das Vollkornbrot ist nicht trocken, wie man es sonst überall findet, sondern hat eine Dichte und einen Geschmack, der an die Tradition erinnert. Ein Frühstück hier – zwei Koulouria, ein Kaffee, eventuell ein Stück Pastitsio – kostet insgesamt etwa 4,50 Euro. Um acht Uhr morgens sind die Regale bereits halb leer. Das sagt alles.
Eine zweite Adresse, ebenso unscheinbar und ebenso zuverlässig, ist Mikri Boulangerie in der Odos Evagoras (direkt neben der Volksbank, unmöglich zu verfehlen). Hier arbeitet eine Frau namens Maria, die ihre Koulouria mit einer Art Gewürzmischung macht, die sie nicht verrät. Sie schmecken anders als überall sonst – leicht süßlich, mit einem Hauch von Kardamom oder Anis, ich bin mir nicht ganz sicher. Die Croissants sind butterreich (echte Butter, keine Margarine) und fallen in Schichten auseinander, wenn man sie anschneidet. Maria öffnet um 6:30 Uhr und ist um 9:30 Uhr meist ausverkauft. Kaffee hier kostet 1,20 Euro, ein Croissant 1,10 Euro.
Für diejenigen, die es traditioneller mögen: Antoniou's Traditional Bakery, etwa zwei Kilometer südlich der Altstadt in Richtung des Strandes von Paphos. Der Bäcker hier macht noch immer das klassische zypriotische Brot nach einem Rezept aus den 1960er Jahren – dunkel, dicht, mit einer Kruste, die beim Kauen knirscht. Das Brot wird in Holzöfen gebacken, was einen Unterschied macht, den man schmecken kann. Ein halbes Brot kostet etwa 1,50 Euro, und es reicht für zwei Tage, wenn man es richtig portioniert.
Die Kafenia: Wo die Zeit langsamer vergeht
Ein Kafenion ist nicht einfach ein Café. Es ist ein Ort, an dem die Vergangenheit noch lebt, wo die Tageszeitung noch gelesen wird, wo man einen Kaffee für unter zwei Euro bekommen kann und niemand erwartet, dass man seinen Laptop ausbricht. In Paphos gibt es noch mehrere solcher Orte, und sie sind es wert, gefunden zu werden.
Kafenion Stavros in der Odos Griva Digeni (etwa fünf Gehminuten vom Hafen entfernt) ist eines dieser Heiligtümer. Der Besitzer, ein Mann in seinen siebziger Jahren, heißt auch Stavros. Er macht Kaffee nach der traditionellen türkischen Methode – nicht Espresso, sondern echter Kaffee, fein gemahlenes Pulver mit Wasser und Zucker, gekocht in einer kleinen Kupferkanne. Der Kaffee kostet 1,10 Euro. Das Frühstück hier besteht meist aus einem belegten Brötchen (Loukoumades mit Honig, oder Halloumi und Tomate) und kostet zusammen etwa 3,50 Euro. Die Einrichtung ist aus den 1970er Jahren – grüne Kunststoffstühle, ein alter Fernseher in der Ecke, schwarzweiße Fotografien an der Wand, die zeigen, wie Paphos vor vierzig Jahren aussah.
Wer einen Schritt weiter gehen möchte, findet das Kafenion Dimitri in einem versteckten Hinterhof der Altstadt (Odos Evagoras, dann rechts in die erste kleine Gasse). Dimitri ist in meinen Augen einer der besten Kaffeebrüher in der Stadt. Er kauft seine Bohnen direkt von einem Importeur in Nikosia und röstet sie selbst. Ein Espresso hier schmeckt, als hätte man einen kleinen Schluck Mandel und dunkle Schokolade bekommen. Ein Frühstück mit einem Espresso, einem Stück Käsekuchen und einem Glas Wasser kostet etwa 5 Euro. Die Atmosphäre ist ruhig, fast meditativ.
Die versteckten Cafés: Wo Paphos modern wird
Es wäre unfair, nur über traditionelle Orte zu schreiben. In den letzten fünf Jahren hat sich in Paphos eine neue Generation von Café-Besitzern etabliert – junge Leute, die auswärts waren, in Athen oder London studiert haben, und nun zurückkommen, um etwas Neues zu schaffen. Diese Cafés sind nicht touristisch (oder nur zufällig), sondern Orte, an denen sich Einheimische treffen.
Kala Kala Coffee House in der Odos Ionos (östlich des Marktes) ist ein gutes Beispiel. Der Besitzer, ein junger Mann namens Nicos, hat das Café 2021 eröffnet. Die Kaffeebohnen kommen von einer kleinen Rösterei in Zypern selbst. Der Cappuccino hier ist ernst gemeint – nicht die süße Melange aus Milchschaum und Espresso, sondern ein echtes italienisches Getränk mit richtigem Verhältnis von Kaffee zu Milch. Dazu gibt es hausgemachte Pasteten und Sandwiches. Ein Cappuccino kostet 2,20 Euro, ein Sandwich etwa 4 Euro. Das Café hat ein modernes Design – Holzmöbel, gutes Licht, Pflanzen – aber es fühlt sich nicht aufdringlich an.
Eine andere Adresse ist Paphos Brew Lab, etwas südlich der Altstadt in Richtung Ktima (etwa zwei Kilometer). Hier experimentiert der Besitzer mit verschiedenen Brühmethoden – French Press, Pour Over, Espresso. Das Frühstück ist hier etwas teurer als in den traditionellen Orten (ein Cappuccino kostet 2,50 Euro, ein Vollkornbrot-Sandwich etwa 5,50 Euro), aber die Qualität ist konsistent und gut. Die Atmosphäre ist jung, kreativ, manchmal spielen sie Jazz oder Indie-Musik.
Das Ritual und seine Bedeutung
Frühstück in Paphos ist nicht nur eine Mahlzeit, sondern ein Ritual, das die sozialen Strukturen einer Kleinstadt widerspiegelt. Der Bauer kommt um 7:15 Uhr herein, bestellt seinen Kaffee und ein Koulouri, und spricht mit dem Bäcker über das Wetter. Eine ältere Frau sitzt mit ihrer Enkelin am Tisch neben der Tür und unterrichtet sie in der Kunst, ein Brötchen zu brechen, ohne es zu zerbröckeln. Ein Geschäftsmann im Anzug nimmt seinen Kaffee mit und eilt davon.
Was unterscheidet diese Frühstücke von denen im Hotel? Zunächst die Authentizität. Ein Hotel-Frühstücksbüfett ist ein Produkt aus Effizienz und Standardisierung. Hier bekommen Sie zwanzig verschiedene Dinge, aber nichts davon ist wirklich gut. In einer kleinen Bäckerei oder einem Kafenion dagegen bekommen Sie drei Dinge – Brot, Käse, Kaffee – aber jedes davon ist gut. Das ist der Unterschied zwischen Quantität und Qualität, zwischen Tourismus und Realität.
Zweitens die Menschlichkeit. Im Hotel sind Sie eine Nummer. In der Bäckerei sind Sie ein Kunde, den der Bäcker kennt (oder kennen lernen möchte). Der Barista in einem guten Café interessiert sich dafür, wie Sie Ihren Kaffee trinken. Das mag trivial klingen, aber es ist nicht trivial. Es ist ein Unterschied, der sich anfühlt wie der Unterschied zwischen einem Haus und einem Zuhause.
Praktische Tipps und Hinweise
Wer diese Orte besuchen möchte, sollte ein paar Dinge beachten. Erstens: Kommen Sie früh. Die besten Bäckereien sind um 7:30 Uhr am vollsten und um 9:00 Uhr halb leer. Wenn Sie um 10:00 Uhr ankommt, gibt es möglicherweise nur noch die weniger beliebten Sorten.
Zweitens: Sprechen Sie Griechisch, oder versuchen Sie es zumindest. Ein einfaches „Guten Morgen
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