Es war ein Dienstagabend im Oktober, als ich zum ersten Mal bei Theo in der Altstadt saß – kein Touristenlokal, kein laminiertes Menü mit Fotos, sondern eine wacklige Holzbank unter einem Weinlauben-Dach und ein alter Mann, der einfach anfing, Teller zu bringen. Kefalotiri, gebraten in Zitronenbutter. Loukanika mit grobem Senf. Dann Oktopus, der auf der Leine getrocknet hatte. Ich habe nicht bestellt. Ich habe einfach gegessen. Das ist Meze – und das ist Paphos.
Wer kulinarisch nach Paphos kommt und nur Pizza am Hafen kennt, hat die Stadt nicht kennengelernt. Die Restaurantszene hier ist erstaunlich vielschichtig: traditionelle Tavernen in Ktima (der Oberstadt), Fischrestaurants direkt am Fischerhafen, moderne zypriotische Küche in Boutique-Hotels und echtes Fine Dining in den großen Resorts von Coral Bay bis Poseidon Beach. Dieser Guide navigiert durch alle Schichten – mit Preisen, Öffnungszeiten und dem ehrlichen Urteil einer Frau, die hier jede Saison mindestens drei Wochen verbringt.
Das Problem: Zwischen Touristenfalle und verborgenen Schätzen
Paphos hat ein Restaurantproblem – aber nicht das, das man erwarten würde. Die Falle ist nicht, dass es schlechte Restaurants gibt. Die Falle ist, dass die guten Restaurants sich nicht aufdrängen. Wer die Strandpromenade von Kato Paphos entlangläuft, sieht Dutzende Lokale mit identischen Menüs: Souvlaki für 12 Euro, Moussaka für 14, Fischplatte für 18. Alles solide, nichts besonders. Und wer nicht weiß, dass man fünf Minuten bergauf laufen muss, um in eine echte zypriotische Taverne zu kommen, bleibt in dieser Mittelmäßigkeit stecken.
Hinzu kommt die Reservierungsfrage. In der Hauptsaison – Juli und August – sind die bekannten Häuser oft tagelang ausgebucht. Wer spontan zum Abendessen möchte, steht um 20 Uhr vor geschlossenen Türen oder landet beim dritten Lokal auf der Liste. Das ist ärgerlich, lässt sich aber vermeiden. Dazu später mehr.
Warum Meze so viel mehr ist als ein Buffet
Viele Gäste, besonders beim ersten Zypern-Besuch, verstehen Meze falsch. Es ist kein Buffet. Es ist keine Vorspeisen-Sammlung. Meze ist eine Essphilosophie: Man bestellt nicht einzelne Gerichte, sondern vertraut dem Wirt. Ein komplettes Meze in einer guten Taverne umfasst 20 bis 30 kleine Gerichte – von Taramosalata und Hummus über gegrillte Halloumi-Scheiben, Loukanika, Sheftalia (zypriotische Hackfleisch-Würstchen in Fettnetz), Stifado, Kleftiko bis zu gegrilltem Fisch und schließlich frischen Früchten zum Abschluss. Das Ganze dauert zwei bis drei Stunden. Man isst langsam, trinkt lokalen Wein oder Zivania dazu, redet.
Preislich liegt ein Meze pro Person zwischen 22 und 35 Euro, je nach Lokal und Saison. Fisch-Meze ist teurer: 35 bis 55 Euro. Für dieses Geld bekommt man in keinem À-la-carte-Restaurant in Paphos auch nur annähernd das gleiche Erlebnis.
Das Ktima-Problem: Die Oberstadt wird übersehen
Ktima ist der ältere, höher gelegene Stadtteil von Paphos – das eigentliche Herz der Stadt, mit dem Markt, den Behörden, den Kaffeehäusern der Einheimischen. Touristisch ist Ktima deutlich weniger erschlossen als Kato Paphos am Hafen. Genau deshalb lohnt sich die kurze Taxifahrt (ca. 5 Euro vom Hafen) oder der Bus Linie 10 ab Poseidon Avenue. Hier sitzen die Einheimischen. Hier gibt es kein englisches Speisekartenmenu mit Fotos. Hier zahlt man weniger und bekommt mehr.
Tavernen in der Altstadt: Wo die Einheimischen essen
Ktima hat eine Handvoll Tavernen, die seit Jahrzehnten existieren und deren Qualität konstant geblieben ist – weil ihre Stammkundschaft keine Touristen sind, sondern Paphos-Familien, die jeden Sonntag kommen.
Taverne Fetta's Kitchen – Makarios Avenue
Fetta's Kitchen an der Makarios Avenue ist ein unscheinbares Lokal mit zehn Tischen und einer Speisekarte, die auf einer Tafel an der Wand steht. Kleftiko – Lamm, das über Nacht im versiegelten Lehmtopf gegart wurde – ist das Flaggschiff-Gericht. Es kostet 16 Euro und kommt mit Brot, Salat und einem kleinen Mezedaki (Häppchen-Auswahl). Dienstags und mittwochs gibt es Molokhia, ein zypriotisches Schmorgericht mit Jute-Blättern und Hühnchen, das man sonst kaum findet. Reservierung: Telefonisch, Griechischkenntnisse hilfreich, aber auf Englisch klappt es auch.
To Steki – Agios Kendeas Street
To Steki (übersetzt: der Treffpunkt) ist das Paradebeispiel einer zypriotischen Souvlaki-Taverne – aber eine, die ihre Sache ernst nimmt. Das Fleisch kommt von einem Metzger aus dem Dorf Stroumpi, die Pita wird hausgemacht. Schweinespieß mit Halloumi und Tzatziki kostet 9 Euro. Das Meze – auf Vorbestellung, mindestens zwei Personen – liegt bei 24 Euro pro Person und umfasst 18 Gänge. Mittags ist es ruhiger, abends ab 19 Uhr oft voll. Kein Kreditkarten-Terminal – Bargeld mitbringen.
Arsinoe Fish Tavern – Apostolou Pavlou Avenue
Etwas stadtauswärts, aber noch in Ktima-Nähe: Arsinoe ist seit 1987 in Betrieb und auf Fisch spezialisiert. Besonderheit: Der Besitzer kauft täglich am Fischerhafen ein, was bedeutet, dass die Karte jeden Tag leicht variiert. Dorade, Wolfsbarsch und Rote Meerbarbe sind fast immer da; Schwertfisch und Tintenfisch je nach Fang. Gegrillte Dorade (pro 100g, ca. 8–10 Euro) kommt mit Kapern-Salat und Skordalia. Das Fisch-Meze hier – 42 Euro pro Person – gehört zu den besten in der Region.
Am Hafen: Fischrestaurants mit Meerblick
Der Fischerhafen von Kato Paphos ist touristisch, keine Frage. Aber er ist auch wunderschön – Fischerboote, die Festung, das Meer. Und es gibt Lokale, die trotz Lage und Aussicht keine Abstriche bei der Qualität machen.
Chez Alex – Poseidon Street, Hafen
Chez Alex ist seit über 30 Jahren eine Institution am Hafen. Kein Schnickschnack, keine Instagram-Deko – dafür frischer Fisch, der nicht eingefroren war. Das Lokal öffnet täglich ab 12 Uhr, Reservierung für den Abend ab Mai dringend empfohlen (Telefon oder über die Webseite des Hotels weiterleiten lassen). Die Fischsuppe – ein dicker, tomatiger Eintopf mit Meeresfrüchten – kostet 11 Euro und ist ein Hauptgericht, keine Vorspeise. Oktopus in Rotwein: 14 Euro. Das Preis-Leistungs-Verhältnis am Hafen ist hier am besten.
Pelican Restaurant
Direkt am Wasser, mit Blick auf die Paphos-Festung. Pelican ist touristischer als Chez Alex, aber die Meeresfrüchte-Platte (für zwei Personen, 58 Euro) ist beeindruckend: Hummer, Garnelen, Calamari, Muscheln, gegrillter Fisch – alles frisch. Die Weinkarte enthält ordentliche zypriotische Weine, darunter Commandaria aus dem Troodos-Gebirge. Mittags gibt es ein Tagesmenü (Vorspeise + Hauptgericht) für 18 Euro – einer der besseren Deals am Hafen.
„Ich esse am Hafen nur mittags – dann ist das Licht besser, die Preise niedriger und die Touristen noch am Strand. Abends gehe ich nach Ktima.
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